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Samstag - 15. Dezember 2018 - 15:19 Uhr

Hinaus in die Welt
Zwei junge Leichtathleten des StTV bei Sport und Studium in den USA



Abitur, und was dann? Diese Frage stellte sich letztes Jahr auch für die beiden Singener Sportler Ann-Kathrin Ott und Nils Petereit, die beide beim Stadtturnverein im Bereich Leichtathletik trainierten und im Juni ihr Abitur in der Tasche hatten. Beide wollten gerne eine gewisse Zeit im Ausland verbringen, eventuell dort mit einem Studium beginnen und im Optimalfall sogar ihren Sport weiter betreiben können.
Was also tun? Ann-Kathrin und Nils fanden eine Möglichkeit. Amerikanische Universitäten bieten sportlich talentierten, jungen Menschen – ein gutes Abitur vorausgesetzt – die Möglichkeit, als Mitglied einer Universitätsmannschaft dort zu studieren. Je nach sportlicher Leistung ist dann ein Teil- oder gar Vollstipendium möglich, um die hohen Gebühren an einer US-Universität abzudecken und die eigenen Kosten moderat zu halten.


Ann-Kathrin im Islanders-Trikot

Ann-Kathrin fand sich auf diese Weise im Bundesstaat Texas wieder, genauer gesagt an der Texas A&M University in Corpus Christi am Golf von Mexiko.
Ihr Trainingsalltag klingt wirklich nicht nach einem Studienaufenthalt „mit ein bisschen Sport“. Der Tag beginnt früh, um 6:30 beginnt das intensive und lange Training, denn vor 9 Uhr ist sie nie zurück in ihrem Apartment. Damit die Athleten dann fit in den Studienalltag starten können, gibt es direkt an der Track haben einen "Trainer Room". Dort können alle nach dem Training ein Eisbad nehmen oder sich beim Trainer melden, wenn Verletzungen, Schmerzen und einfach Unwohlsein vorliegt. Die Sportler werden dann sofort behandelt, so dass man schnell wieder fit ist.
Nach dem Training geht es dann mit großem Hunger zum Frühstück bevor die Vorlesungen beginnen; wer Glück hat, kann sich je nach Vorlesungsplan noch mal kurz hinlegen.
Dann beginnt der Uni-Alltag. Zweimal die Woche trainieren die Athleten noch am Nachmittag im Kraftraum, wo sie sogar von einem extra angestellten Coach betreut werden. Abends macht man dann Hausaufgaben oder trifft sich mit Freunden. Freitags haben ist kein offizielles Training, dann heißt es "OYO" (on your own) Training.
Wenn kein Wettkampf ist, wird auch am Samstag und Sonntag in aller Frühe trainiert. Am Sonntag heißt das zum Beispiel ein langer "Sunday-Morning-Run" an. Und danach lässt die Heimat grüßen, denn es geht oft zum Frühstück in die deutsche Bäckerei.
Inzwischen ist die Indoor-Season für Ann-Kathrin vorbei und sie hat bereits etliche Wettkämpfe absolviert. Zum „Wettkampf gehen“ ist anders, professioneller als sie es zuletzt gewohnt war. Alles ist perfekt durchgedacht und organisiert von einem so genannten Headcoach. Das ist aber auch nötig, denn Ann-Kathrin ist Teil eines großen Teams „Islanders“ von insgesamt 60 Athleten, die immer mit mehreren Bussen oder Vans zu den Wettkämpfen fahren, und das heißt dann in der Regel mindestens 4 Stunden Fahrzeit. Zu den „Conference“ in Alabama, das sind die wichtigsten Meisterschaften, wird dann aber auch schon mal geflogen. Auch alle Mahlzeiten sind perfekt geplant und Hotel etc. wird vom Coach direkt gebucht.


Dugan Soccer and Track Stadium

Bei allen Reisen und den Wettkämpfen selbst, gehört es zu den Pflichten immer die Mannschaftskleidung zu tragen, denn schließlich repräsentiert damit seine Universität. Und ganz nebenbei fördert es natürlich auch den Teamgeist und die Zusammengehörigkeit.

Ann-Kathrins Studiengang ist Biomedical, mit dem Abschluss kann man danach an der Medical School (Medizin) studieren. Eine wichtige Erfahrung beim Studium in den USA war für sie, und das im Gegensatz zum Studium an einer deutschen Universität: man kann nicht einfach eine Vorlesung ausfallen lassen, zum Beispiel gerade weil bei den Sportlern ein Wettkampf stattfindet. Der Besuch des Unterrichts ist verpflichtend und wird auch überprüft. Man muss also bei Nichtteilnahme auf jeden Bescheid geben oder sich sogar durch den Trainer bestätigen lassen, warum man nicht kommt. Nur so, natürlich neben den erbrachten Leistungen im Unterricht, bekommt man letztendlich auch gute Noten, die unter anderem dann dafür sorgen, dass man als Athlet weiterhin startberechtigt bleibt.



Auch Nils fand eine Universität, die ihm auf Grund seiner sportlichen Leistungen ein Studium mit Teilstipendium anbot. Auf diese Weise fand er den Weg an die Baker University in Baldwin City, Kansas. Um die Lage des Ortes zu beschreiben, könnte man nun wirklich und buchstäblich sagen, das liegt mitten in der Prärie…. Oder anders ausgedrückt: ziemlich genau in der Mitte der USA. Ein ruhiger, beschaulicher Ort, ca. 50 km südwestlich von Kansas City.
Auch sein Tagesablauf ähnelt dem von Ann-Kathrin. Manchmal frühes Training vor dem Studium, in der Regel aber beginnt sein tägliches Training nachmittags und dauert rund 2 Stunden.


Nils im Wildcat-Trikot

Dazu gehört Einlaufen, dann Dynamic Flex (Bein schwingen, “dynamisches” Dehnen). Danach folgt eines von drei Aufwärmprogrammen, je nachdem eines für allgemeines Training, eines für Sprints usw. Einmal pro Woche gibt es auf dem lokalen Golf Course ein spezielles Training. Dort absolvieren fast alle Athleten des gesamten Teams „The Wildcats“ (außer Werfern) dann zwischen 15 bis 20 200m Läufen auf einen leichten Hügel. Die restlichen Trainingseinheiten werden hauptsächlich in, von der jeweiligen Disziplin abhängigen, Gruppen absolviert - in Nils Fall in der Longsprints Group. Hier trainieren dann immer mehrere Athleten miteinander, das sorgt natürlich für mehr Spaß und Motivation als wenn jeder für sich alleine laufen würde. Fast nach jedem Lauftraining folgt ein Krafttraining, sei es direkt im Kraftraum oder zum Beispiel Medizinball werfen und ähnliches, auch Hürdenkoordination gehört hier dazu.
Nils konnte in der Zwischenzeit ebenfalls bereits Wettkampf-Erfahrung sammeln und an verschiedenen Sportveranstaltungen als Läufer teilnehmen. Für ihn gab es ebenfalls die Erfahrung, dass man mit Vans oder Reisebussen zu Veranstaltungen unterwegs ist. Und mal schnell unterwegs heißt dann auch hier: kaum eine Fahrtzeit unter 4 Stunden, oftmals mit Übernachtung am Veranstaltungsort. Die Wettkämpfe selbst, so seine Erfahrung, finden meist mit einem „rolling schedule“ statt, d.h. ohne feste Zeit für die Disziplinen, sondern diese werden einfach nacheinander abgearbeitet, oft bis spät in die Nacht. Wahrscheinlich auch dem Umstand geschuldet, dass es größere Teilnehmerzahlen als bei vergleichbaren Wettkämpfen in Deutschland sind, die 200m zum Beispiel mit bis zu 18 Läufen. Selbstverständlich sind auch hier Teamtrikots Pflicht. Man trägt aber keine großen Startnummern auf der Brust, sondern nur kleinere zum Kleben auf Bein oder Oberkörper. Für die Versorgung während der Wettkämpfe sorgt jedes Team selbst. Das sieht dann schon mal richtig nach „Marschverpflegung“ aus. Große Kisten mit Getränken, viel Obst und Müsliriegel, aber auch amerikanische „Klassiker“ wie peanut butter, Jelly oder creamed cheese finden sich hier wieder.


Stadium Baker Wildcats Baldwin City

Das Studium selbst ist etwas anders strukturiert als in Deutschland. Man legt einen „Major“ (sozusagen eine Hauptrichtung) fest, bei Nils zum Beispiel ist es Mass Media, kann diesen aber öfter ändern bzw. sich um entscheiden, je nach eigenen Interessen. So ist es ziemlich normal diesen „Major“ zwei- bis dreimal zu wechseln. Bei den einzelnen Vorlesungen haben die Studenten freie Auswahl zwischen diversen Klassen aus allen möglichen Bereichen wie zum Beispiel Bio, Business, Psychologie, Sport, Mass Media. Alles ist “vermischbar” und erlaubt auf diese Weise Einblicke in unterschiedlichste Bereiche. Für jeden Kurs gibt es eine bestimmte Anzahl an Credit Hours. Um ein Semester erfolgreich abzuschließen braucht man wiederum eine gewisse Gesamtzahl an Credit Hours.
Nils gefällt auf jeden Fall diese Art und Weise des Studiums. Wenn man das Prinzip einmal verstanden hat, sei es sehr einfach mal bei verschiedenen Sachen herein zu schnuppern und Neues kennen zu lernen, so seine meine Meinung. In diesem Semester beschäftigt er sich so unter anderem auch mit Business Studies, Oral Communication sowie Workshops im Bereich Radio und TV. Und bisher sei der Stoff, auch als Ausländer, gut zu bewältigen.
Einziger Wermutstropfen bisher: Bücher sind nicht so einfach ausleihbar wie bei uns, man muss sie relativ teuer einkaufen, selbst gebraucht ist es nicht gerade preiswert.

Aber ohne Zweifel ist es für Ann-Kathrin und Nils eine grandiose Erfahrung gerade auch als Leichtathleten einmal unter ganz anderen Umständen trainieren zu können. Und eine tolle Erfahrung fürs spätere Leben ist es ohnehin.





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